EDDV 10.04.2017 - Zu Besuch in der TUIfly-Technikhalle

    • EDDV 10.04.2017 - Zu Besuch in der TUIfly-Technikhalle

      Moin!

      "Unser Kerosin heißt Herzblut", hieß es einst 2007 in der sensationellen Kampagne Willkommen an Bord von TUIfly. Nach einigen Flügen, mit den einst knallgelb lackierten Maschinen, konnte man durchaus meinen, dass da etwas dran ist. Ich mochte es, wie es die fröhlichen Crews immer schafften, einen Flug zu etwas Besonderem zu machen. Doch wer hätte gedacht, dass ich einige Jahre später als kleiner Politikwissenschaftler die Möglichkeit haben sollte, "meinen" Ferienflieger einmal von innen kennen zu lernen? Andererseits muss es ja auch Vorteile haben, wenn man schon der "Generation Praktikum" angehört.

      Es ist ein schöner Brauch, dass die neuen Praktikantinnen und Praktikanten eine Führung durch die Technikhalle bekommen. Und so hatte ich schon am sechsten Tag das Vergnügen, diese spezielle Technikluft zu schnuppern, die ich bislang nur aus dem Airbus-Werk kannte. Anders als in Finkenwerder, durfte ich in Langenhagen allerdings fröhlich drauf los fotografieren.


      TUIfly - B738 - D-AHFV (2) by amluhfivegolf.de, auf Flickr


      TUIfly - B738 - D-AHFV (4) by amluhfivegolf.de, auf Flickr

      Vor allem die D-AHFV war schwer eingedockt; das Gerüst erstreckte sich von den Tragflächen bis hoch zum Leitwerk. Zusammen mit der D-AHFT kam sie gerade aus einer umfangreichen Wartung und wurde nun für die Sommersaison vorbereitet. In diesem Zuge haben beide Boeings leider ihre gelbe Farbe verloren.


      TUIfly - B738 - D-AHFV (6) by amluhfivegolf.de, auf Flickr

      Trotz der neuen Ledersitze sieht man schnell, dass beide Mühlen schon lange im Einsatz stehen. Die Wände im Eingangsbereich sind zum Beispiel noch mit dem Hapag-Lloyd-Logo verziert. Ein weiteres Indiz ist die Lichtleiste im Gang. Mittlerweile werden für die Notbeleuchtung nämlich fluoreszierende Leuchtstreifen verwendet. Stichwort Notbeleuchtung: Neben allen Ausgängen befinden sich draußen kleine Lampen, um die Notrutschen bzw. Fluchtwege zu beleuchten. Ein kleines Detail, das ich bislang noch gar nicht kannte.


      TUIfly - B738 - D-AHFV (5) by amluhfivegolf.de, auf Flickr


      TUIfly - B738 - D-AHFV (7) by amluhfivegolf.de, auf Flickr

      Der Kollege aus der Technik erklärte uns die organisatorischen Abläufe in der Technik und wusste von vielen kleinen Details der Boeing 737 zu berichten. Besonders spannend fand ich, dass es im Cockpit ein Seil gibt, an dem sich die Cockpitcrew im Notfall durch das kleine Cockpitfenster abseilen kann. Ich hatte mir tatsächlich nie Gedanken darüber gemacht, wie die Piloten wohl ihren Weg nach draußen finden.


      TUIfly - B738 - D-AHFV (14) by amluhfivegolf.de, auf Flickr


      TUIfly - B738 - D-AHFV (13) by amluhfivegolf.de, auf Flickr

      Ein Closeup vom MCP darf natürlich nicht fehlen, wenn man sich schon einmal ungestört im Cockpit umsehen kann. Der Kurs ist noch auf den Landebahnkurs von 271 Grad eingedreht, 4000 Fuß ist die vorgesehene Höhe für das Fehlanflugverfahren. Es ist übrigens unfassbar eng in solch einem B737-Cockpit, sodass es gerade für ungeübte, große Leute eine kleine Herausforderung ist, die Beine Richtung Sitzplatz zu manövrieren und dabei nicht mit dem Kopf im Overheadpanel hängen zu bleiben. Kein Wunder, dass die ehemaligen HLF-A310-Piloten ihren geräumigen Arbeitsplatz vermisst haben, als sie auf die Boeing 737 wechselten. Nicht umsonst bezeichneten viele Umsteiger die Boeing 737 damals als "Zwille".


      TUIfly - B738 - D-AHFV (15) by amluhfivegolf.de, auf Flickr

      Im Anschluss erkundeten wir die Etage darunter. Dort warfen wir einen Blick in den hinteren Frachtraum, welcher im Gegensatz zum vorderen Belly über keine Druckkabine verfügt. Bei ihrer Auslieferung im Jahr 2000 an die damalige Hapag-Lloyd Flug hat die D-AHFV noch über einen "Magic Carpet" verfügt. Dabei handelte es sich um ein Förderband, dass das Be- und Entladen erleichterte, da nur noch eine Person im Frachtraum benötigt wurde. Doch das Förderband rentierte sich nicht, sodass man es wieder ausbaute um Gewicht und somit Treibstoff einzusparen. Wer sich für die Funktionsweise des "Magic Carpet" interessiert, dem sei dieses Video empfohlen.


      TUIfly - B738 - D-AHFV (9) by amluhfivegolf.de, auf Flickr

      Ehe ich mich versah, stand ich auch schon im Hauptfahrwerksschacht. Dieses Durcheinander von Schläuchen, Rohren und Seilen erstaunte mich sehr. Ich hatte es mir hier unten "aufgeräumter" vorgestellt.


      TUIfly - B738 - D-AHFV (12) by amluhfivegolf.de, auf Flickr


      TUIfly - B738 - D-AHFV (10) by amluhfivegolf.de, auf Flickr


      TUIfly - B738 - D-AHFV (16) by amluhfivegolf.de, auf Flickr

      Zum Abschluss erklommen wir das Gerüst, von dem auch Arbeiten am Höhen- und Seitenleitwerk möglich sind. Von dort oben bot sich ein toller Überblick über die Technikhalle und auch wenn es vom Boden aus nicht so scheint: Die 12,57 m, welche die B737-800 an ihrem höchsten Punkt misst, sind schon erstaunlich hoch...


      TUIfly - B738 - D-AHFT (2) by amluhfivegolf.de, auf Flickr


      TUIfly - B738 - D-AHFT (1) by amluhfivegolf.de, auf Flickr

      Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag die Neugier darüber befriedigen konnte, was sich wohl hinter den großen blauen Hangartoren in HAJ befindet. Leider bietet TUIfly nämlich keine öffentlichen Führungen durch den Wartungsbetrieb an.

      Viele Grüße
      Sören
      Viele Grüße, Sören
      AMLUH5G - Aviation and more

    • Die Photos sind amazing! Besonders freut mich natuerlich, dass es sich um eine 737 handelt.

      So chaotisch wie das ganze auf den ersten Blick im Wheel Well aussieht, ist das aber garnicht. Vielleicht hast du dir die am leichtesten erkennbaren Systeme wie z.B. die Hyd Rerservoirs, Spoiler Mixer Unit, Brake Accumulator, APU Fire Panel usw. ja auch erklaeren lassen. Uebrigens fuehren Dinge wie Aileron Cable auch direkt durch den Wheel Well (was man auf deinem Bild zusammen mit Pulleys auch sehr gut sehen kann).

      Ganz besonders gefaellt mir das Bild mit dem MCP von FO zu FA Seite. Wirklich gut gelungen!

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von smub04 ()

    • Genau das wäre ja auch mein Gedanke :) Aber es gibt aktuell ja so einiges an mehr oder minder wert- bzw. sinnvollen Fliegerei-Gerüchten im deutschsprachigen Raum, dass man sich bei solchen "Ereignissen" immer fragt ob da nicht der nächste größere Umbruch dahintersteckt.
    • Das freut mich, smub04 und HGidL! Danke Euch!

      smub04 schrieb:

      Besonders freut mich natuerlich, dass es sich um eine 737 handelt.
      Ja, und mich erst. Durch den Simulator bin ich ja auch großer Fan der 737NG geworden. Da war es schön, die Maschinen mal aus der Nähe betrachten zu können. Der Fahrwerksschacht wurde uns nicht großartig erklärt. Wir waren zu viert und für die anderen war das insgesamt eher noch Neuland. Aber ja, die Steuerseile habe ich zum Beispiel auch entdeckt. Schon spannend zu sehen, wie mechanisch es da bisweilen noch zugeht.

      Jeepbesen schrieb:

      Hast irgendwelche Infos bzw. Gerüchte gehört warum die Flieger nun weiß sind? Scheinen bei X3 immer mehr zu werden die ohne Farbe rumdüsen... Da bahnt sich wohl was an.
      Wenn ich das richtig im Blick habe, fliegen in der X3-Flotte derzeit nur die FV und FT in weiß. Wie gesagt, beide Flieger hatten einen größeren Check und gelb ist nun mal leider nicht mehr angesagt. Dass das Leasingende der FV naht, kommt aber gut hin. Sie ist laut eines Users des TUIfly virtual Forums nur als Verstärkung für die Sommersaison wiedergekommen. Die FT bleibt. Ansonsten steht natürlich das Joint Venture bevor - aber das ist ja kein Gerücht, sondern bekannt.

      Viele Grüße
      Sören
      Viele Grüße, Sören
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